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Gedanken zu Vesakh

Im Zen spiegelt der volle Mond den Geist Buddhas, das Erwachen. Heute, zum Vollmond im Mai, feiert man in vielen buddhistischen Traditionen, neben Geburt und Tod des Buddha auch das Erwachen. In der japanischen Zen Tradition datiert der Feiertag zu Buddhas Erwachen auf den 8. Dezember, oft der letzte Tag der intensivsten Praxisperiode des Jahres, dem Rohatsu Sesshin.

Es heißt, “Das Erwachen setzt sich seit den ältesten Zeiten fort und verwirklicht sich immer in der Gegenwart“. Während Sesshins rezitieren wir häufig die Linie der Dharma-Ahnen, von Buddha bis zu den Meistern der Gegenwart. Und bei einer Ordination zum Mönch oder zur Nonne erhalten wir das Ketsumyaku, ein Papier, auf dem mit roter Tinte, wie in einer Blutlinie, die Dharmaübertragung über die Generationen dokumentiert ist.

Doch auch wenn wir diese Linien der Weitergabe haben, welche eine authentische Praxis bezeugen und auf der anderen Seite sicherlich immer auch der eigenen Legitimation dienlich sind, ist das Erwachen nichts was irgend jemand besitzen oder gar weitergeben könnte.

Das Erwachen erwacht zu sich selbst und wird durch Praxis verwirklicht.

Roland Yuno Rech sagte einmal: “Hör auf, immer die anderen zu fragen und versuche nicht, dir die Lampe eines anderen auszuleihen”. Es ist deine Praxis, die das Erwachen bezeugt.

So wünsche ich uns ein schönes Vesakh und weiterhin eine gute Praxis zum Wohle aller Wesen.

Die Küche als Ort der Begegnung im Leben und Sterben

Für die Buddhismus aktuell 01/2021 zum Thema “Gemeinwohl” durfte ich einen kurzen Artikel über meine ehrenamtliche Arbeit in der Küche des Bonn Lighthouse, einem Hospiz-Projekt in unmittelbarer Nachbarschaft des San Bo Dojo, beitragen…

(Wenn Du über die rechte Maustaste “Grafik anzeigen” anwählst, erscheint der Artikel etwas größer und ist ggf. besser lesbar.)

Vortrag von Muho zur Zen-Praxiswoche 2020

Thema unserer diesjährigen Praxiswoche ist das Gakudo Yojin Shu von Meister Dogen. Am 6. Tag unserer Praxiswoche hat Muho via Zoom einen Vortrag zu diesem Text gehalten, den Dogen im Frühjahr des Jahres 1234 aufschrieb. Er war damals 34 Jahre alt und das Gakudo Yojin Shu ist somit einer seiner frühen Texte. Im Anschluss des Vortrags gab es Gelegenheit zu einer Frage-Antwort Runde.

Das Gakudo Yojin Shu ist eine Sammlung von zehn Punkten, auf die Zen Praktizierende achten sollten. Gakudo bedeutet soviel wie „Das Studium des Weges“, wobei der Weg gleichzeitig auch für das Erwachen steht. Yojin bedeutet „Achtsamkeit“, auf das worauf man aufpassen sollte. Shu ist die „Sammlung“. Eine wörtliche Übersetzung wäre also etwa „Sammlung von Punkten auf die beim Studium des Weges zu achten ist“. Manchmal wird es auch die „Ratschläge für das Streben nach der Wahrheit“ genannt.

Anschauen/anhören könnt Ihr den Vortrag (ohne Q/A) auf unserem YouTube Kanal

Hier ausserdem ein Link zu Muhos Übersetzung des Gakudo Yojin Shu*: https://antaiji.org/archives/deu/gak0

* …am schönsten zusammen mit seinen Kommentaren im Buch “Futter für Pferd und Esel”

Fragen an die Praxis?!

Ein Sesshin, und irgendwie ist dieser Lockdown ja vielleicht auch so eine Art Sesshin, birgt immer wieder die Möglichkeit, dem Leben / der Existenz auf den Grund zu gehen.

Der Buddha war sehr konsequent in seinem Vorhaben, die grundlegenden Fragen zu klären, die sich ihm stellten.

Welche Fragen habe ich? Wie sieht (m)ein Leben aus Zen aus? Was sind meine Erwartungen und Hoffnungen?

Wir können uns fragen, warum praktiziere ich eigentlich? Was motiviert mich, jeden Tag oder auch nur ab und zu auf dem Kissen zu sitzen und die Wand anzuschauen? Ist es schon eine Art Routine oder eine Form der Identität, die ich mir schaffe?

Es heißt, die Paramita und die Gebote sind Ausdruck der Weisheit Buddhas in dieser Welt. Werden sie auch in meinem Leben lebendig? Kann sich Mitgefühl und Weisheit in meinem Alltag entfalten? Was bedeutet Erleuchtung für mich, wenn ich die gängigen und teilweise abstrusen Vorstellungen davon, einmal beiseite lasse?

Wie integriere ich meine Praxis in meinem Leben? Trage ich die Praxis, in dem ich zum Beispiel in einer Sangha aktiv bin, mich in einem Dojo engagiere oder bin ich nur Besucher?

Solche Art Fragen können wir nur jeweils für uns selbst beantworten…

Der Dezember startet im San Bo Dojo mit unserer jährlichen Zen-Praxiswoche zu Buddhas Erwachen (Satori). Während wir zusammen mit vielen Menschen auf der ganzen Welt praktizieren, besinnen wir uns, in manchmal recht herausfordernden und anstrengenden Sesshins, auf die Praxis des Buddha und den Weg, den er aufgezeigt hat. Ein Weg der Praxis und der Erfahrung, ein revolutionärer Weg, das Leiden zu verstehen und loszulassen.

Auch, wenn wir das Dojo nun im Dezember noch geschlossen halten, gibt es weiterhin die Möglichkeit eines virtuellen Dojos via Zoom und mit allen, die nicht online Zazen üben wollen oder beschlossen haben, ein Einzel-Retreat zu machen, sind wir in Gedanken verbunden…

Ein Gespräch mit Charlotte SeiOn

In der schönen Landschaft des Taunus steht die Altbäckersmühle. Ein Zen Tempel in der Linie von Kobun Chino Otogawa Roshi, welcher vor 30 Jahren von Ellen Genki und Kurt KyuSei Österle gegründet wurde. Charlotte SeiOn, bereits 2008 von Genki und KyuSei zur Zen Nonne ordiniert und 2020 zur Zen Lehrerin ernannt, praktiziert seit 1999 in der Sangha der Altbäckersmühle und im San Bo Dojo.

Patrick: Du bist seit über 20 Jahren im San Bo Dojo dabei und fast ebenso lange im Zen-Zentrum Altbäckersmühle in der Nähe von Nassau/Lahn. Du hast sozusagen zwei Heimat-Dojos. Wie ist das, in zwei Sanghas zuhause zu sein? Ist das eher befruchtend oder gab es damit irgendwann auch einmal Probleme?

Charlotte: Nein, ich fühle mich beiden Sanghas gleichermaßen zugehörig und gleichermaßen integriert. Priorität, was den Zeiteinsatz und die Teilnahme an Sesshins betrifft, hat – natürlich – mein Lehrer in der Altbäckersmühle, Kurt KyuSei Österle. Das Bonner Dojo ist sehr offen, es gibt inzwischen einige Praktzierende, die Lehrer sozusagen außerhalb haben. Das wirkt befruchtend, keinesfalls störend.

Patrick: Im neuen Jahr gibt es ja einige Änderungen in der Altbäckersmühle. Kannst Du uns dazu etwas sagen?

Charlotte: Die Altbäckersmühle als Zentrum für Zen-Meditation, Yoga und Zen-Bogenschießen wurde vor 30 Jahren von Ellen Genki und Kurt KyuSei Österle gegründet. Beide sind inzwischen weit über das Ruhestandsalter hinaus und möchten sich ein Stück weit zurückziehen – zumindest räumlich. Sie werden im Januar 2021 nach Wiesbaden umziehen.

Am 20. September haben sie ihren Sohn Michael HoKai Österle in Rahmen einer Bergsitz-Zeremonie als Dharmanachfolger und spirituellen Leiter der Altbäckersmühle eingesetzt. Er übernimmt zugleich das Anwesen als Eigentümer und hat viele Pläne für den weiteren Ausbau, die Programmgestaltung usw.

HoKai hat so formuliert: „Ich wünsche mir sehr, dass die Mühle weiter organisch wächst und Menschen anspricht, die auf der Suche nach Spiritualität und einem Übungsort für eine fundierte buddhistische Praxis sind, die ihre Auseinandersetzung mit den eigenen Lebensthemen in einem unterstützenden, wohlwollenden Umfeld einer Sangha erleben und darin wachsen möchten.“

Patrick: Was ist konkret geplant?

Charlotte: Das Programm für 2021 steht und die neue Homepage www.zen-zentrum-altbaeckersmuehle.de ist online. (Das Buchungsprogramm ist in Arbeit und soll in ca. 14 Tagen laufen.) Hier wird deutlich, dass das Angebot sehr umfangreich und breit gefächert ist.

Alle Veranstaltungen sind im Prinzip gleich aufgebaut: Den Rahmen bildet ein klassisches Sesshin in das unterschiedliche Elemente integriert sind: Yoga, Bogenschießen, Bogenbau, Kalligraphie, Inipi (Schwitzhütte), Zen+Philosophie, Achtsamkeit in der Natur und ein virtuelles Zendo. GenKi und KyuSei werden – wie bisher – diverse Sesshins und ein umfangreiches Yoga-Programm anbieten. Auch Du bist ja mit zwei Angeboten im Oktober eingeplant: Zen und Sensory Awareness mit Stefan Laeng und Zen und Sumi-e (japanische Tuschemalerei) mit Corinna Loelgen.

Auch ganz neue Formate sind geplant: Zum Beispiel eine „Praxisperiode“ vom 01.06.
bis 18.07.2021, jeweils von Montag bis Freitag unter dem Titel: „Meditation und Arbeit“. Jede helfende Hand ist willkommen, das Haupthaus der Mühle braucht Renovation! An den Wochenenden finden dann jeweils Zazenkai statt.

Für den Aus- und Umbau des Hauses und die Gartenanlage hat HoKai viele Ideen und Pläne. In jedem Fall soll eine professionelle Küche eingebaut werden, damit bei Veranstaltungen selbst gekocht werden kann (bisher wurde das Mittagessen von einem Caterer geliefert). Das Dojo soll vergrößert werden und es werden zusätzliche Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen – auch mit Blick auf Corona-Beschränkungen. An den eigenständigen Anbau von Gemüse ist gedacht, an ein Backhaus und vieles mehr.

Patrick: Wer organisiert und begleitet diese vielen Aktivitäten vor Ort?

Charlotte: HoKai lebt in Bayern und ist dort – und auch durch seine Lehrtätigkeit in verschiedenen Zen-Zentren in Deutschland und der Schweiz gebunden. In der Altbäckersmühle soll sich daher eine Hausgemeinschaft etablieren, die das Zentrum durch ihre Praxis maßgeblich trägt und den Ort mit Leben füllt. Hier stehen wir noch am Anfang und sind offen Interessierte, für Ideen und Vorschläge.

Infos: www.zen-zentrum-altbaeckersmuehle.de

Zen Wanderung im Siebengebirge

“Der Weg ist unter unseren Füßen und es ist schön zu sehen, wie wir ihn als Gruppe gemeinsam gehen und doch jede/r mit seinen eigenen Schritten und in ihrem eigenen Tempo unterwegs ist”.

Am 29.08.2020 hätte eigentlich ein Zen Tag mit Muho in Bonn stattgefunden, den wir aber wegen Corona auf 2021 verschoben haben. Aber es gab ein Alternativprogramm. Da unsere letzte Wanderung mit dem Dojo tatsächlich bereits 2009 stattfand, war es an der Zeit, wieder einmal gemeinsam in der Natur unterwegs zu sein. Nachdem wir uns am mittlerweile schon wieder etwas kühleren Samstagmorgen an der Ruine des Chorgewölbes versammelt hatten, begannen wir den Tag mit Zazen vor der Kapelle des Kloster Heisterbach. Das stille Sitzen in der Morgenfrische und das Lauschen auf die Geräusche der Natur, waren eine belebende Erfahrung. Da wir die Zeremonien und Rezitationen im Dojo wegen Corona auf ein Minimum beschränkt haben, war es eine Freude, gemeinsam das Hannya Shingyo im Freien rezitieren zu können. Im Anschluss brach die Gruppe dann unter Führung von Renate zur gemeinsamen Wanderung auf…

Zunächst führte uns der Weg den Petersberg hinauf. Hier wurden wir erst einmal mit grossen abgeholzten Flächen und totem Fichtenbestand konfrontiert, was mir/uns schmerzlich die Zerstörung der Umwelt und auch die Auswirkungen des Klimawandels vor Augen führte.

“Wir nehmen alles an, ohne es zu bewerten oder zu verurteilen. Gleichzeitig übernehmen wir Verantwortung für unser eigenes Handeln und Tun”.

Weiter ging es über den schmalen Bittweg (“Zum Ablass auf den Berg”) den Petersberg hinauf. In früheren Zeiten wurde dieser Weg oft von Menschen gegangen, die auf ihrem Anstieg eine Bitte im Herzen trugen. Der Wald wurde dichter und auch wieder grüner und der Weg teilweise schmal und steinig. Oben angekommen, hatten wir von der Terrasse des ehemaligen Gästehaus der Bundesregierung und heutigen Steigenberger Hotels, eine großartige Aussicht über das Rheintal. Der weitere Weg führte uns dann zunächst wieder ein Stück hinunter ins Tal und weiter den Nonnenstromberg hinauf.

Das wunderbare Wetter und ein ganz besonderes Licht im Wald, machten unseren schweigenden Anstieg (fast) zu einer mystischen Erfahrung. Verschiedene Landmarken, wie eine alte Eiche und ein Steinhügel waren schöne Gelegenheit zum Innehalten. Die letzten Meter vor dem Einkehrhäuschen Waidmannsruh führten uns über einen Bergkamm, von dem aus es links und rechts tief ins bewaldeten Tal hinunter ging…

Während einer kurzen Rast im Einkehrhäuschen, hörte eine Teilnehmerin, von der Toilette aus, die Glocke an der Durchreiche der Küche, welche signalisiert, dass ein Essen herausgegeben werden kann. Sie machte unwillkührlich Gasshô und wunderte sich anschließend über die eigene Konditionierung (Pawlow).

Anschließend war es nicht mehr weit zur letzten Station unserer stillen Wanderung, dem Stenzelberg. Die besondere Landschaft des Stenzelberg, einem ehemaligen Steinbruch, der an eine Wild-West Szenerie oder auch andalusisches Hinterland erinnert, war noch einmal sehr eindrucksvoll. Zum Ende der Wanderung und vor dem gemeinsamen Picknick gab es von Babis noch eine kurze QiGong Einheit, in der wir unsere Körper lockern und dehnen und das Chi einsammeln konnten.

Beim anschließenden Mittagessen und einer wunderbaren Aussicht über den Rhein in Richtung Bonn, wurde das Schweigen gebrochen und zum geselligen Teil übergegangen. Der Rückweg führte dann vom Stenzelberg über den Weilberg zu einem (leider schon vor Jahren umgekippten) See im ehemaligen Steinbruch und einem Gruppenfoto.

Danke an Renate, Christoph, Annette und Babis für die tolle Organisation und Durchführung unserer Zenwanderung. Die gemeinsame Praxis in der Natur ist eine belebende Erfahrung und dieser Tag macht wahrlich Lust auf mehr…

“Dogen rät uns, die Bewegung der Berge zu studieren. Er spricht explizit vom Gehen der Berge. Er sagt, wir sollten dies nicht bezweifeln, wenn wir unser eigenes Gehen, unser eigenes Leben verstehen wollen”.

Zazen und Gespräch mit Muho via Zoom

Am 29.04.2020 haben wir, gemeinsam mit Muho, zu einem “Zazen und Q/A” via Zoom eingeladen. Muho war zu unserem regulären Morgen Zazen aus Antaiji zugeschaltet und hat beim anschließenden Tee die Fragen der ca. 50 Teilnehmenden beantwortet.

Es ging u.a. um Fragen nach Klosterpraxis und Alltagspraxis, Genderthemen im (Zen-)Buddhismus, “Sterben auf dem Kissen”, Loslassen und Annehmen…

Das Zazen und die Gespräche wurden aufgezeichnet und sind auf YouTube hochgeladen. Ansehen könnt Ihr sie hier

(Die Gespräche beginnen ab 1:05:00)

Pure Kôsan – Zen Vegetarische Küche – Ein Gespräch mit Christiaan Kôsan Degrande

Christiaan Degrande ist Belgier, Niederländisch sprechend, 1954 geboren und Zen-Mönch. Seit vielen Jahren kreuzen sich unsere Zen-Wege immer wieder, vornehmlich bei den Zen-Sesshins mit Meister Roland Yuno Rech in der Grube Louise im Westerwald. Christiaan ist ein begeisterter Koch (Tenzo) und arbeitet aktuell an einem Buch „Pure Kôsan – Zen Vegetarische Küche“. Zeit für ein kleines Interview…

Frage: Christiaan, ich freue mich über die Gelegenheit zu diesem Gespräch. Bevor wir über die Besonderheiten der Zen-Küche sprechen, erzähle uns doch bitte zu Anfang kurz etwas zu Deiner Person und über Deinen Werdegang als Zen-Mönch und Tenzo.

Kôsan: Als Sohn eines belgischen Nato Offiziers lebte ich von 1964 bis 1983 in Siegburg (D). Nach meiner Ausbildung zum Zahntechniker und einer 8-jährigen Tätigkeit in Deutschland kehrte ich nach Belgien zurück, um mich selbständig zu machen. Meine Freizeit und Urlaube verbrachte ich mit Wandern und ging am liebsten in die Berge. Ich las Bücher des Extrembergsteigers Reinhold Messner, über seinen ersten Besuch im Pothala in Lhasa (Tibet), dem großen Tempel des tibetischen Buddhismus. So ist mein Interesse am Buddhismus entstanden und wächst nach und nach.

Irgendwann hatte ich alles erreicht was ich mir gewünscht habe, Familie, eigenes Haus, eigenes Geschäft… dann stellte ich fest, dass dies nicht der Sinn meines Lebens sein konnte, und am Ende des letzten Jahrhunderts landete ich unbewusst in einem Burnout mit all seinen Folgen (Scheidung, Insolvenz …). Auf der Suche nach dem tieferen Sinn meiner Existenz tauchte ich in eine alternative, esoterische und spirituelle Welt ein. Ich fand Arbeit in einem Zentrum für persönliche Entwicklung, wo ich mit Unterstützung feiner Kollegen das Kochen lernte. Gleichzeitig vertiefe ich mich in die buddhistische Philosophie und entdecke den Soto Zen Buddhismus. Schnell wurde beides eins. Was gibt es schöneres als Menschen zu ernähren im Zen-Geist. Gesunde Ernährung, Bio, PermaKultur, all das integriert sich in meinem Schaffen und Sein. Ein neues Leben hatte Gestalt angenommen.

Frage: Wir teilen beide dieselbe Leidenschaft, für andere Menschen zu kochen und mögen es, in Gemeinschaft zu essen. Nun schreibst Du mit „Pure Kôsan – Zen Vegetarische Küche“ ein Buch über diese besondere Form des Essens und seiner Zubereitung. Was erwartet uns in diesem Buch und wann wird es erscheinen?

Kôsan: Ich möchte ein allumfassendes Buch machen. Ein Art Nachschlagewerk mit Zen-Texten, über den Geist in der Zen Küche, die Rituale, die Sutren, Rezepte, die Art des Essens, …

Ich weiß, dass dies sehr ehrgeizig ist und dass dies Zeit braucht. Ich lasse mir Zeit aber ich habe eine Website gemacht, auf der man schon einiges nachlesen kann. Vorerst ist dies noch in französisch. (die Idee entstand in der Zeit, als ich im Tempel La Gendronniere (F) war.

Es werden auch kleinere Broschüren herausgegeben. Ich versuche, die erste über die „Guen Mai“ (Reissuppe) im Mai zu veröffentlichen.

Frage: Wie wählst Du Deine Speisen aus und was inspiriert Dich besonders, Deine Art des Kochen zu praktizieren?

Kôsan: Inspiration finde ich überall. Bücher, Fernsehen, schöne Fotos, bei Kollegen und, und, und. Dann frage ich mich, wie ich dies, auf eine schonende und einfache Weise für eine größere Gruppe machen kann. Dabei schaue ich mir auch an, was mir die Jahreszeit vor Ort zu bieten hat, Bio- und möglichst aus Permakultur. Es soll ausgewogen sein, geschmackvoll, farbenfroh aber einfach gemacht und möglichst gut nach zu machen sein.

“Kochen mit unser Buddha-Natur“

Frage: Meister Dogen spricht im Tenzo Kyokun, den Anweisungen für den Koch, von den drei Herzen als Haltung des Kochs in einer Klostergemeinschaft. Wie fließen das dort beschriebene freudige Herz, das alte Herz und das grosse Herz in Deine Praxis und die Zubereitung der Mahlzeiten ein?

Kôsan: Wenn man das Tenzo Kyokun gründlich liest und wieder liest, merkt man, dass diese metaphorische Empfehlungen, Richtlinie für das Leben sind. Wenn man sie integriert, in sein Leben und die Art des Kochens, dann wird es Leidenschaft. Obwohl es zum Erklären sehr komplex ist, ist es in der Ausführung einfach, weil es natürlich ist.

Man kann sagen “Kochen mit unser Buddha-Natur“, “Kochen mit jenseitigem Geist”, mit Herz und Seele und mit Gefühl und Mitgefühl für alles was uns umgibt.

Frage: Das Einnehmen der Mahlzeiten ist in einer Zen-Gemeinschaft ein eigenes Ritual und erscheint manchen Menschen oft kompliziert und undurchsichtig. Kannst Du z.B. etwas über das Essen mit mehreren Schalen und die Rezitationen sagen? Welchen Wert gibst Du dieser formalen Art des Essens?

Kôsan: Das rituelle Essen erscheint tatsächlich manchen Menschen oft kompliziert und undurchsichtig. Wenn wir wissen, warum wir so essen, ist es ziemlich einfach. Es ist ein traditionelles Ritual aus der japanischen Soto-Zen-Praxis, das seine Logik in jeder Geste findet. Es spielt keine Rolle aus wievielen Schüsseln wir essen, der Geist in dem wir essen, ist wichtig.

Aus drei Schalen zu essen, ist in vielen Zen Sangha’s Tradition. Es ist eine Handlung, die in jeder Geste Aufmerksamkeit verlangt. Und das ist es, was es schwierig machen kann; die Aufmerksamkeit in dem, was wir tun, in dem, was wir essen, zu behalten.

Die Rezitationen können uns helfen bewusster zu sein. Essen ist sich ernähren; nicht nur körperlich, es kann auch geistig sein. Die Qualität unserer Ernährung trägt mit dazu bei wie wir leben.

Frage: Bernie Glassman hat mal gesagt: „Jeder von uns kann der Koch seines eigenen Lebens sein“. Welche Verbindungen siehst Du in der Praxis als Tenzo und dem alltäglichen Leben?

Kôsan: Das Leben ist wie Kochen. Finde die richtigen Zutaten, behandle sie mit Mitgefühl und Respekt, wasche sie, teile sie in Portionen auf, setze sie kreativ zusammen und mische sie mit gut ausgewählten Gewürzen und serviere sie mit großer Sorgfalt. Dann kannst Du in Freude und Harmonie mit dem, was ist, essen (leben).

Frage: Seit vielen Jahren biete ich mit der Monks Kitchen bei 3 schätze eine offene Küche für wechselnde Gemeinschaften an, in der Menschen auch einen Hauch von Zen erfahren können. Wirst Du in Zukunft in erster Linie für Zen-Gemeinschaften und während Sesshins kochen oder bietest Du Deine Künste auch anderweitig an?

Kôsan: Im Moment koche ich oft auf Sesshins (vor allem in Belgien, Frankreich und Deutschland) aber manchmal auch für andere Gruppen außerhalb des Zen. Das erfordert eine Menge Energie aber es macht auch Riesen Spaß.

Die Zukunft wird zeigen, wo der Weg hingeht. Ich schaue nicht zu sehr in die Zukunft…

Frage: Herzlichen Dank für dieses Interview.

Kontakt:

Christiaan Kôsan Degrande
www.purekosan.com
E-Mail: kosan@skynet.be

Das Interview führte Patrick Ho Kai Damschen. Dies und andere Interviews werden gleichzeitig auf der Webseite von 3 schätze veröffentlicht.