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Zuflucht meint, Rückkehr zum Leben

Am Ende des Sesshins mit Christoph Rei Ho Hatlapa vom 11.11. – 13.11.2022 im Kô Getsu An, konnten zwei Mitglieder unserer Sangha die Zuflucht zu Buddha, Dharma und Sangha nehmen. Die Zufluchtnahme steht für das Prinzip der Einheit, die Lehre oder die universellen Gesetze des Lebens sowie für Harmonie. In einer emotionalen Zeremonie und mit grosser Freude konnten Katja und Daniel diese zentrale und grundlegende Praxis aller buddhistischen Traditionen vollziehen.

Hier ein Gruppenbild mit allen 😉

帰命 (Kimyo)

Als Dankeschön für seine Unterstützer*innen sendet Muhô in diesem Jahr eine Karte mit den Schriftzeichen 帰命 (Kimyo), das bedeutet Zuflucht oder auch Rückkehr zum Leben. Rechts oben ist außerdem ein rotes Siegel mit den Schriftzeichen 自受用三昧 (Jijuyuzanmai) platziert, einem zentralen Begriff von Dogen, den man übersetzen kann als “das Samadhi, in dem man sich selbst annimmt und verwirklicht”. Für Dogen ist es äquivalent mit Zazen, dem reinen Sitzen. Links unten findet sich Muhô´s Name 無方, zusammen mit einem Siegel, welches dasselbe bedeutet, also “keine Richtung”. Kimyo ist gleichbedeutend mit dem bekannteren Wort “Namu”.

NAMU KIE BUTSU
NAMU KIE HŌ
NAMU KIE SŌ
KIE BUTSU MU JŌ SON
KIE HŌRI YOKU SON
KIE SŌWA GŌ SON
KIE BUKKYŌ
KIE HŌKYŌ
KIE SŌKYŌ

Ich nehme meine Zuflucht zum Buddha, zum Dharma und zur Sangha.
Zum Buddha, dem Unvergleichlichen, Ehrwürdigen, nehme ich meine Zuflucht.
Zum Dharma, dessen Reinheit ich verehre, nehme ich meine Zuflucht.
Zur Sangha, deren harmonisches Leben ich verehre, nehme ich meine Zuflucht.
Zum Buddha, zum Dharma und zur Sangha habe ich jetzt meine Zuflucht genommen.

Zazen kufu

Unter dem Titel “A Zen master and inemuri zazen” zitierte Muhô im Jahr 2010 in seinem Blog “Adult practice” aus einem Newsletter des Itabashi Zenji-Tempel in Gotanjoji. Gotanjoji ist eines von etwa dreißig offiziellen Soto-Schulungsklöstern und Itabashi war (er ist mittlerweile verstorben) einer von drei lebenden Menschen, die den Titel eines Zenji trugen.

Itabashi Zenji schrieb darin:
“Ich hatte schon immer eine schlechte Körperhaltung, seit ich jung war. Ich bin ein wenig gebückt und lasse den Kopf nach vorne hängen. Ich versuche schon seit langem, das zu ändern. Aber nichts scheint zu helfen. Also dachte ich, dass ich es vielleicht von meiner Mutter geerbt habe, “es muss in den Genen liegen”, sagte ich mir. Meine Haltung, besonders während Zazen, ist schlecht… Ich mache auch viel Inemuri (so nennt man die japanische Praxis, während der Arbeit zu schlafen) während Zazen. Vielleicht liegt es auch an meiner schlechten Haltung, dass ich viele unberechenbare Gedanken und Visionen habe, die während Zazen immer wieder auftauchen…. Mehrmals habe ich den Mönch, der mit dem Kyosaku herumläuft, gebeten, meine Haltung zu korrigieren und mich aus dem Inemuri zu holen, indem er mich sehr hart schlägt. Aber aus irgendeinem Grund ignoriert er diesen alten Mönch. Und nicht nur das: Einer der Mönche hat sogar ein Foto von meinem Zazen-Inemuri gemacht und es mir gezeigt! 60 Jahre sind vergangen, seit ich als Student in Sendai mit Zazen begonnen habe. Ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben und dachte mir: “Sieh mal, was für ein Mönch du geworden bist! Ich begann, mir während des Zazen ein kleines Kissen auf den Kopf zu legen. Und es brachte das Ergebnis, das ich erwartet hatte: Immer wenn ich anfange, Inemuri zu machen, fällt das Kissen von meinem Kopf und ich wache auf. Manchmal kommt es vor, dass das Kissen während einer Zazen-Periode zehnmal fällt. Vor allem während der zweiten Stunde am Morgen.

Seit ich das Kissen auf den Kopf lege, hat sich meine Haltung so sehr verbessert, dass ich es selbst erkennen kann. Meine Wirbelsäule scheint gerade zu sein und verbindet das Steißbein direkt mit dem oberen Teil meines Schädels. Meine Hüften sind geerdet und ich beginne ganz natürlich aus dem Bauch heraus zu atmen…”.

Muhô bemerkte dazu: “Ich denke, wir können aus diesem Newsletter viele Dinge lernen. Von der Demut eines wahren Zen-Meisters zum Beispiel. Aber auch über die Bedeutung von zazen kufu, einem der beiden Aspekte der Zen-Praxis, die Dogen Zenji am Ende des Gakudoyojinshu erwähnt (der andere Aspekt ist monpo sanshi, d.h. die Begegnung mit einem Meister und das Fragen nach dem Dharma, bzw. vom Dharma in Frage gestellt werden). Zazen kufu bedeutet, sein Bestes in Zazen zu geben, “sein Bestes geben” bedeutet hier, zu experimentieren, verschiedene Wege auszuprobieren, alles zu geben, niemals aufzugeben. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der ein solches Kufu macht, wie Itabashi Zenji in seinem hohen Alter. Respekt!” Muho Noelke, Abt von Antaiji (2010)

In unserer Praxis des Zen & Sensory Awareness experimentieren wir ebenfalls häufig mit einem Säckchen oder einem Stein, um die Aufrichtung mit der Schwerkraft und die Wirkung auf die Haltung zu erforschen. Muhô´s Zeilen zum zazen kufu sind eine Ermutigung, inmitten der Form, kreative Wege zu finden, diese mit Leben zu füllen. Ob wir nun mit einem Säckchen auf dem Kopf oder anderen Dingen, dem Boden, dem Zafu, einem Stock, einer Schale Tee üben, ob wir die Gesten, die Schwerkraft oder einfach den Atem erforschen, alles ist eine Gelegenheit die Praxiserfahrungen zu vertiefen. Dabei geht es nicht um die Aspekte von “richtig und falsch”, sondern darum, uns immer wieder neu in Beziehung zu erleben und uns vertrauensvoll in die Wirklichkeit hinein zu werfen.

Weitere Infos zu Zen & Sensory Awareness

Taiwa … unter vier Augen

Taiwa ist ein Gespräch unter vier Augen, während dem man Fragen zur Praxis, Hindernisse und Schwierigkeiten und/oder die eigenen Lebensthemen besprechen kann. Jenseits möglicher Fragestellungen im Mondo, im Beisein der Sangha, beim Tee oder des Austauschs zwischen Tür und Angel (in der Umkleide etc.), schaffen wir so zusätzlich Raum für ein vertrauliches Gespräch. Der zeitliche Rahmen wird dabei begrenzt sein, um möglichst direkt zum Kern der Sache zu gelangen. So ist Taiwa eine gute Gelegenheit die eigene Praxis zu vertiefen, in dem wir uns im Zuhören üben und gleichzeitig unsere Fragen und Antworten verfeinern. Taiwa ist freiwillig und doch empfehlenswert. Es findet während des regulären Zazen in einem Nebenraum statt.

Johanna Ho Ka bietet Taiwa während des Zazen, jeden 2. und 4. Samstag im Kô Getsu An an, sowie im Rahmen der Zen Tage Offene Weite. Ab Dezember 2022 wird es Taiwa, immer am 1. Donnerstag eines Monats, mit Patrick Ho Kai im San Bo Dojo geben.

Linji und die alte Frau, die den Ochen antreibt

Es war ein grossartiges Zazenkai „Frauen im Zen“ am Abend des 21.10.2022 im Kô Getsu An.

Das Koan, welches dem Buch “Das verborgene Licht” entnommen wurde, lautet:

„Linji und die alte Frau, die den Ochsen antreibt“

Meister Linji suchte Meister Bingdian An auf. Auf dem Weg dorthin begegnete ihm eine alte Frau, die einen Ochsen aufs Feld trieb. Linji fragte sie: “Welches ist der Weg, der zu Bingdian führt?” Die Frau schlug den Ochsen mit ihrem Stock und sagte: “Dieses Tier. Es läuft überall hin, ohne den Weg überhaupt zu kennen”. Linji wiederholte: “Ich habe dich etwas gefragt. Welches ist der Weg, der zu Bingdian führt? Die Frau sagte: “Dieses Biest! Es ist fünf Jahre alt und kann immer noch nicht dazu gebracht werden, sich nützlich zu machen. Linji sagte zu sich: “Wenn du von dem Menschen, den du vor dir hast, etwas erfahren willst, beobachte zuerst, was er tut”. Und er hatte das Gefühl, dass ein Stolperstein aus dem Weg geräumt war. Als er bei Meister An eintraf, fragte dieser ihn: “Ist dir meine Schwägerin begegnet?” Linji sagte: “Ja, ich wurde bereits von ihr an die Kandare genommen”.

Mit Zazen und drei Stellvertreter*innen haben wir im “Koan-Worldcafe” das Koan erforscht, sind nacheinander in die drei Positionen der Geschichte eingetaucht, um am Ende aus drei unterschiedlichen Perspektiven bei uns selbst anzukommen.

Dabei begleiteten uns Fragen wie “Ist es möglich, dem launischen Geist beizubringen, auf dem Dharma-Weg zu bleiben?”, “Wie heißt Dein innerer Ochse?” und “Wenn Du einer Fremden begegnest, woran erkennst Du, ob es eine Lehrerin ist?”

Danke an Johanna To Jaku für diese wunderbar bunte Methodenvielfalt und kreative Heranführung an die Koan Arbeit und das eigene Erleben.

Sesshin mit Muhô im Kô Getsu An

Weil dir der Weg im Weg ist, wird dieser Ort ganz klar, weil dir das Erwachen im Weg ist, wirst du ganz zu dem, der du bist” (Dogen)

Das Wochenende mit Muhô im Kô Getsu An war eine wunderbare Erfahrung, auch wenn das ungewohnt lange Sitzen im Antaiji Stil nicht nur angenehm war. Ich höre diejenigen, die dabei waren, jetzt gerade kurz auflachen, denn den meisten wird es ähnlich gegangen sein. Die vielen Stunden Zazen, die Erschöpfung, die Verzweiflung, das Aufgeben, Wechselbäder von Gefühlen, all das geht an die Substanz. Im Anschluss an das Sesshin drang von verschiedenen Seiten die Frage an mein Ohr, die ich mir zwischendurch auch gestellt habe, “Warum?” Meine Antwort finde ich am nächsten Abend, während des Zazen, “Genau darum!”

Und plötzlich ist da dieses Feuer auf Deinem Kopf?!

Wie kann ich dieses Feuer löschen? Der Weg, Zazen steht mir im Weg, fordert mich heraus, Kontrolle scheint unmöglich. Darüber nachgedacht hatte ich im Vorfeld schon, doch die Erfahrung ist wieder etwas anderes. Der Impuls, einfach wegzugehen, zurück zu der Person, die ich gerne wäre, die sich im Leben und in seinen Rollen eingerichtet hat. Der Mann, der Vater, der Mönch, all das hilft nun nicht mehr weiter. Und so zerfallen die Bilder, die ich mir von mir selbst und meiner Praxis mache. Vieles davon habe ich bis heute natürlich längst wieder aufgesammelt, doch ich glaube, es ist wichtig, die eigenen Routinen immer wieder zu durchbrechen, um Raum zu schaffen für Neues.

Zum Ende des Sesshins schenkte uns Muhô ein Teisho zu Dogen´s Tenzo Kyokun. Dies passte nicht nur deshalb so wunderbar, weil wir, nach gerade mal etwas mehr als einem Jahr, bereits viele Zutaten (Mangold, Tomaten, Äpfel, Kapuzinerkresse usw.) aus dem Garten des Kô Getsu An für die gemeinsamen Mahlzeiten nutzen konnten. Dogen´s Verschmelzung von Alltags- und Zenpraxis in der Rolle des Klosterkochs bot Muhô an praktischen Beispielen dar, in denen wohl jeder und jede etwas für sich entdecken konnte. “Wie kultivieren wir die drei Herzen des Kochs?”, “Sortiere ich den Reis aus oder den Sand?”, egal was wir von diesem Sesshin mitnehmen, eine Frage oder eine Antwort, wir alle teilten eine intime Erfahrung von Gemeinschaft und Stille, in den Grenzregionen dieses Körper-Geistes.

Danke an Muhô, Johanna (Tenzo) und die Küchencrew und die Sangha.

Samu und Soji

… sind ein Bindeglied zwischen der Praxis im Dojo und unserem Alltag und daher ein wichtiger Bestandteil der Zen-Übung. In der konkreten Handlung erfahren wir unsere Beziehung mit den Dingen. Wenn wir einen Gegenstand sauber machen, nehmen wir ihn in die Hand, reinigen ihn und setzen ihn dann wieder an seinen Platz. Dadurch drücken wir unsere Wertschätzung und Dankbarkeit aus.

Das gemeinsame Arbeiten im Haus (Soji) oder im Garten (Samu) eint uns als Sangha, da wir alle zusammen daran mitwirken, unsere Orte der Praxis sauber und klar zu halten. Die manchmal auch anstrengende Arbeit im Garten hilft uns unsere Körper nach langem Sitzen wieder in Bewegung zu bringen und geistige Prozesse auch körperlich “durchzuarbeiten”.

Der Kô Getsu An bietet die wunderbare Möglichkeit, Zeit in und mit der Natur zu erleben und die Praxis des Weges zu gestalten. Manchmal würden wir vielleicht lieber Pause machen, als Gemüse zu schneiden, den Hof zu fegen oder die Toiletten zu reinigen. Sich mit einem kleinen Läppchen jedem Quadratzentimeter seiner Umgebung zu widmen, reinigt jedoch auch den Geist und bietet uns Erholung in anderer Form. Gerade “nur dies” zu tun, was mir vom Samu-Verantwortlichen aufgetragen wurde, befreit mich von den ewigen Überlegungen und Bewertungen, dem Mögen und Ablehnen.

Im Soji/Samu erschaffen wir einen friedlichen Ort. Wir alle gestalten diesen Ort und doch kommt es nicht auf uns an, wie Muhô gerne zu sagen pflegt…

Johanna´s Ordination zur Zen-Nonne

Nachdem ich 2005 die Zuflucht zu Buddha, Dharma und zur Sangha genommen habe und als Laienschülerin ordiniert wurde, empfing ich am Pfingstsonntag, dem 05. Juni 2022, von Zenmeister Christoph To Toku Rei Ho Hatlapa die Vollordination als Nonne.
Zur Ordination habe ich den Namen TO JAKU erhalten. To steht für Pfirsichblüte und bekräftigt meine Zugehörigkeit zum Tempel To Gen Ji. Jaku bedeutet Stille.

Mein Dharmaname lautet nunmehr TO JAKU HO KA.
Ho Ka ist mein Dharmaname, den ich zur Laienordination erhielt und bedeutet Gipfel und Blume.

Christoph sagt, damit bin ich jetzt eine „Profinonne“. Das heißt aber nun gerade nicht, dass meine Praxis in irgendeiner Weise professioneller oder wertvoller ist, als sie vorher als Laienordinierte war. Es ist vielmehr ein erneuertes Versprechen an mich selbst und an die Sangha, mein Leben und Wirken voll und ganz in den Dienst von Buddha, Dharma und Sangha zu stellen.

Die Zeremonie, die am Pfingstsonntag in meinem Muttertempel, dem To Gen Ji in Steyerberg stattfand, war sehr bewegend. Ich hatte das große Glück, dass ein junger Mann chinesischer Herkunft, der in China mit der Chan Praxis begonnen hatte und zur Zeit in Kassel studiert, an diesem Tag im To Gen Ji Zuflucht nahm zu Buddha, Dharma und zur Sangha. So war die Zeremonie nicht nur generations- sondern auch traditionsübergreifend. Einmal mehr erfüllte mich Christophs wertschätzende und offene Haltung, die er in seinem Teisho über die in China wieder aufblühenden Chan Praxis vermittelte, mit Freude.

In unserer Tradition lesen wir zur Zufluchtnahme die ersten fünf Silas und zur Laien- und Vollordination auch die weiteren fünf Silas. Unser chinesischer Gast las also die ersten fünf Silas, „die fünf wunderbaren Übungen der Achtsamkeit“ nach einer Übersetzung von Thich Nhat Hanh vor, und ich die weiteren fünf Silas, „die fünf weitergehenden Tugendempfehlungen für Mönche, Nonnen und Laienschüler“ in der mich sehr berührenden Version von Christoph Hatlapa vor.

Alle Vorhaben, nicht zu rührselig zu werden, musste ich schnell über den Haufen werfen. Jedes Wort strömte in einer Wahrhaftigkeit durch mich durch und machte mir den Ernst der Lage bewusst. Da saß ich nun im To Gen Ji, dem von so vielen fleißigen Händen gebauten und gepflegten Pfirsichblüten Tempel – inmitten alter und neuer Zenbrüder und -schwestern, mit denen mich wundervolle, auch aufwühlende und schwierige Erfahrungen verbinden, um mein Versprechen unter (nicht nur meinen) Tränen zu erneuern, diesen Empfehlungen mit aller Kraft zu folgen.

In der 6. Empfehlung heißt es:
„Nicht über die Fehler anderer reden.
Des Leides für die Gemeinschaft bewusst, das durch Reden über die Fehler anderer entsteht, seien es Ordinierte oder Laien, gelobe ich, allen Angehörigen der Sangha zu jeder Zeit mit tiefem, von Herzen empfundenen Respekt zu begegnen. Ich bin entschlossen, jedwedem Klatsch und Tratsch den Boden zu entziehen und Wege zu finden, das Gruppenwesen der Sangha in jedem Mitglied zu achten und zu ehren. Wenn Gedanken der Kritik und Beurteilung anderer in mir auftauchen, bin ich mir darüber im Klaren, dass ich selbst Einfühlung brauche, und dass mich meine Urteile vom lebendigen Leben abtrennen. Ich finde Wege, durch meditative Selbsteinfühlung oder indem ich andere um mitfühlende Anteilnahme bitte, dafür zu sorgen, dass ich meine unerfüllten Bedürfnisse wahrnehme und deren Schönheit mit meinem Herzen sehe. Ich bin mir bewusst, dass ich damit den Gemeinschaftsgeist stärke und zur gegenseitigen Ermutigung beitrage.(…)“

Beim lauten Vorlesen traf mich mit voller Wucht die Schönheit dieser Worte, als wenn ich sie zum ersten mal höre. Ich bin zutiefst dankbar, in Christoph einen Lehrer zu haben, der mich schon so lange auf meinem spirituellen Weg begleitet. Der unermüdlich mit Hingabe und seinem Herzblut unsere Sangha und jedes einzelne Gruppenmitglied unterstützt und mit weisen Worten und Taten den Gemeinschaftsgeist fördert. Jedem Gruppenmitglied der Choka Sangha bin ich dankbar für den Mut, sich ehrlich und aufrichtig miteinander auf den Weg zu machen und dabei nicht nur die eigene spirituelle Entwicklung sondern auch den des Gruppenwesens, alle Tiere und Pflanzen um uns herum einschließend, im Sinn zu haben. Diese Haltung möge auch mein Handeln und Wirken für unsere örtliche Sangha rund um das Bonner San Bo Dojo und unser Kô Getsu An in Blankenbach führen.

Mir liegt das Wohlergehen unserer Sangha sehr am Herzen. Ich bin mir bewusst, dass wir uns dabei mit der Praxis beider großer Zen Schulen, der Soto Schule und der Rinzai Schule, unter einem Dach, großen Herausforderung hingeben. Unter diesen Bedingungen den Gemeinschaftsgeist zu pflegen und zu hegen, dabei nicht in den Vergleich und in die Beurteilung der manchmal unbequem (z.B. zur Wand sitzen) oder unlogisch (warum nur ein so langes Run Up beim Han schlagen?) erscheinenden Rituale und damit der alltäglichen Praxis zu gehen, ist gerade im alltäglichen “klösterlichen” Tun nicht gerade einfach.

Ich bin überzeugt, dass uns das Handeln im alltägliche Geist dabei eine große Unterstützung und ein Tor ist, dass ich gerne weit offen halte: gemeinsam Gartenbeete bestellen, Apfelkompott kochen, Holz hacken (und dafür vorher einen Ofen einbauen), Wasser holen (oder dafür eine Bewässerungsanlage bauen), Kartoffeln groß ziehen, sie schälen und gemeinsam aufessen, das Haus reinigen – diese alltäglichen gemeinsamen Aufgaben sind für alle gleich, bringen uns zusammen, verbinden uns miteinander. Ich bin zutiefst dankbar, hier einen Ort gefunden zu haben, an dem diese gemeinschaftliche Praxis sich natürlich entwickeln kann. Dabei wird mir meine Verbindung zu Christoph als meinem spirituellen Lehrer und meinem Muttertempel To Gen Ji Kraft geben, aber auch meine Bereitschaft zur Unterstützung der Choka Sangha in Steyerberg unerschütterlich sein.

Während des Pfingst-Sesshin hat Johanna ihre Ordination zur Zen-Nonne im To Gen Ji in Steyerberg empfangen.

Zum Abschluss der Ordination bekräftigte ich meine Entscheidung durch das Vortragen unseres Tempelmanifests (https://choka-sangha.de/tempelmanifest), das unsere Haltung und unser Handeln im Tempel To Gen Ji leitet. Von Herzen und ohne Einschränkung gilt diese Haltung für mich persönlich auch für meinen Einastz für die Praxisorte in Bonn und Blankenbach.

Möge mein Wirken als “Profinonne” zur stillen Kraftquelle des Gruppenwesens werden.

Johanna To Jaku Ho Ka

Sesshin mit Christoph Rei Ho Hatlapa im Kô Getsu An

“Der Mond schaut freundlich auf die Einsiedelei”

Die Einsiedelei klarer Mond macht ihrem Namen wieder alle Ehre und so erhellte der Vesakh-Mond* an diesem Wochenende die Umgebung des Kô Getsu An und unseren Geist. Beim Sesshin mit Christoph Rei Ho Hatlapa konnten wir eben diesen Herz-Geist berühren und es war schön zu erleben, wie unsere Gruppe in der Übung von Kooperation, Mitgefühl und Nachsicht mehr und mehr zu einem Körper wurde. Diese Erfahrung ist gerade in Zeiten der Konfrontation und der kriegerischen Auseinandersetzungen ein wichtiger Anstoss für ein Umdenken und ein Erwachen.

An jedem Tag gab es Dokusan sowie ein Teisho von Christoph. In einem seiner Vorträge erläuterte er u.a. am Model des Kreises die Entwicklungphasen des Menschen, die sich auch auf die Zen-Übung anwenden lassen. Die einzelnen Abschnitte bergen immer die Möglichkeit eines Erwachen und einer Transformation ebenso, wie den Hang zu einer neuen Anhaftung. Nach einer Phase der Orientierung folgt meist eine Phase der Rebellion und des Widerstands gegen das Alte. Gehen wir durch diese Phase, kommt es zur Phase der Entsprechung, in der wir Zeit und Ort in angemessener Weise begegnen. Die nächste Entwicklung führt zum “Götterblick”, der Erkenntnis des “Alles ist Eins”. Von hier aus müssen wir allerdings weitergehen und wieder in die Welt des “Wassertragens und Kartoffelschälens” eintreten, in der Berge wieder Berge und Flüsse wieder Flüsse sind. In diesem Zusammenhang sprach Christoph über die Vergänglichkeit als einem Schatz, aus dem Leben erst geschehen kann. An anderer Stelle ließ er in wunderbarer Weise auch wieder einen der alten Zen-Meister (Toksan) lebendig werden.

Tiefe Stille, kraftvolle Rezitationen und geschäftiges Treiben wechselten an dem Wochenende einander ab. Im Samu wurde viel in Haus und Garten geputzt und gewerkelt und die Tenzo versorgte uns mit etlichen guten Zutaten aus dem Garten, die landläufig als “Unkraut” (Giersch, Gartenmelde) wahrgenommen werden und doch lecker und nahrhaft sind. Christoph´s neu entdeckte Leidenschaft für das Tuschezeichnen beschenkte uns am Ende des Sesshins dann noch mit je einer Kaligrafie.

Dankbarkeit mischt sich schon jetzt mit grosser Vorfreude auf das nächste Sesshin mit Christoph Rei Ho Hatlapa im Ko Getsu An im November 2022.

Gleichzeitig sei hier auf das traditionelle Pfingstsesshin mit Christoph Rei Ho Hatlapa im Tempel der Choka Sangha in Steyerberg hingewiesen.



* Zum Vollmond im Mai (16.05.2022) wird in vielen buddhistischen Traditionen der Geburt, dem Erwachen und dem Tod Buddhas gedacht. Im Zen ist kanbutsu-e (灌仏会) ein Feiertag zur Geburt Buddhas und gehört neben den Feierlichkeiten zum Tod des Buddha (nehan-e 涅槃会) am 15. Februar und dem Fest zur Erleuchtung des Buddha (jōdō-e 成道会) am 8. Dezember zu den drei großen buddhistischen Feiern in Japan.

Zen und Sensory Awareness

Vom 29.04. bis 01.05.2022 findet im Kô Getsu An (Zen Haus Blankenbach, bei Bonn) unser Zen und Sensory Awareness Workshop mit Stefan Laeng und Patrick Ho Kai Damschen statt.

Hier ein kleiner Film, mit Bildern von vergangenen Workshops in der Dorfschule Hesseln und dem Zen Zentrum Johanneshof im Schwarzwald.

Infos zum kommenden Workshop findet Ihr hier

1000 Orte der Stille

Mit 1000 Orte der Stille haben Angelika und Lars Segelke aus Bremen eine Webseite ins Leben gerufen, die spirituelle Orte, Lehrer*innen, Veranstaltungen etc. sichtbar machen möchte. Sie schreiben “Unser Ziel ist es, eine “Kultur der Stille” zu fördern und dafür Transparenz über das bereits bestehende Netzwerk an Orten und Angeboten zu schaffen, so dass diese nach außen hin wahrnehmbarer und verfügbarer werden”.

Das San Bo Dojo und der Kô Getsu An sind nun ebenfalls auf dem Portal vertreten.